Конкурс переводчиков Немецкого читального зала в Саратове

Конкурс переводчиков Немецкого читального зала в Саратове

Сообщение Светлана Викторовна » 18 июн 2012, 01:59

Конкурс переводчиков 2012 для студентов и учащихся старших классов
Конкурс на лучший перевод художественного текста из книги Judith Schalansky «Der Hals der Giraffe: Bildungsroman».
Срок приема работ – до 15 сентября 2012 г. Финал – 27 сентября. Текст для перевода можно увидеть ниже:
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Сообщение Светлана Викторовна » 18 июн 2012, 02:00

Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe
Inge Lohmark trat ans Fenster. In die weiche Vormittagssonne. Wie gut das tat. Die Bäume hatten sich schon zu verfärben begonnen. Das abgebaute Chlorophyll machte die Bühne frei für die leuchtenden Blattpigmente. Carotinoide und Xantophylle. Die langstieligen, von Miniermotten zerfressenen Blätter der Kastanie hatten gelbe Ränder. Dass die Bäume sich so eine Arbeit machten mit Blättern, von denen sie sich ohnehin bald trennten. Genau wie sie als Lehrerin. Jedes Jahr das gleiche Spiel. Seit über dreißig Jahren. Immer wieder von vorn.
Sie waren zu jung, um die Bedeutung des gemeinsam erworbenen Wissens würdigen zu können. Dankbarkeit war nicht zu erwarten. Hier ging es nur noch um Schadensbegrenzung. Bestenfalls. Schüler waren gedächtnislose Wesen. Sie würden alle eines Tages gehen. Und nur sie allein würde zurückbleiben, mit trockenen Händen vom Kreidestaub. In diesem Zimmer, hier, zwischen der Sammlung zusammengerollter Schautafeln und der Vitrine mit dem Anschauungsmaterial: ein Skelett mit gebrochenen Knochen, speckige Organattrappen mit Platzwunden in der Plastehaut und der ausgestopfte Dachs mit Brandlöchern im Fell, der mit toten Augen durch die Scheiben stierte. Das könnten sie auch bald mit ihr machen. Wie der englische Gelehrte, der seiner Universität über den Tod hinaus verbunden bleiben wollte. Als Mumie an den wöchentlichen Sitzungen teilnehmen. Sein letzter Wunsch wurde ihm erfüllt. Man zog seinem Skelett seine Kleider an. Stopfte sie mit Stroh aus. Balsamierte den Schädel ein. Aber dabei lief irgendwas schief, so dass man schließlich einen Wachskopf auf die Überreste montierte. Sie hatte ihn gesehen, als sie in London war. Claudia hatte da mal studiert. Wie er da hockte, in einem riesigen Holzkasten hinter Glas. Mit Spazierstock, Strohhut und grünen Wildlederhandschuhen, die ganz genauso aussahen wie das Paar, das sie sich im Frühjahr neunzehnhundertsiebenundachtzig im Exquisit gekauft hatte. Für siebenundachtzig Mark. Wladimir Iljitsch schlief wenigstens und konnte vom Kommunismus träumen. Aber dieser Engländer war bis heute im Amt. Täglich beäugte er die Studenten auf ihrem Weg in die Hörsäle. Die Vitrine war sein Grab. Er selbst sein eigenes Denkmal. Ewiges Leben. Besser als Organspenden.
»Alte Menschen«, fing sie plötzlich an. »Alte Menschen erinnern sich selbst dann noch an die Schulzeit, wenn sie alles andere schon vergessen haben.« Sie träumte immer wieder von ihrer Schulzeit. Vor allem von der Abiturprüfung. Wie sie dastand und ihr nichts einfiel. Und beim Aufwachen dauerte es immer eine Weile, bis ihr klar wurde, dass sie keine Angst zu haben brauchte. Sie war auf der anderen, der sicheren Seite.
Sie drehte sich um. Entgeisterte Blicke.
Man musste höllisch aufpassen. Ehe man sich versah, diskutierte man im Unterricht allerlei Blödsinn. Frühstücksvorlieben. Ursachen der Arbeitslosigkeit. Haustierbeerdigungen. Plötzlich wurden alle putzmunter, und die Stunde war gelaufen. Man musste halsbrecherische Überleitungen bauen, sich zurück zu den Ökosystemen hangeln, wo gerade noch aufgekratzte Kinder sofort wieder leere Gesichter bekamen. Das Wetter war das gefährlichste. Vom Wetter war es nur ein Katzensprung zur persönlichen Befindlichkeit. Aber von ihr sollten sie nichts erfahren. Da half nur, den Faden genau an der Stelle wieder aufzunehmen, wo sie ihn verloren hatte. Betont langsam ging sie zurück zum Lehrerpult. Weg von den bunten Blättern. Vom verhängnisvollen Wetter. Flucht nach vorn.
»Es gibt Fälle, bei denen sich die Alzheimer- und Demenzkranken weder an die Namen ihrer Kinder noch an die ihrer Ehepartner erinnern können, wohl aber an den ihrer Biologielehrerin.« Schlechte Erfahrungen prägten sich nun einmal besser ein als gute.
»Eine Geburt oder eine Heirat mag ein wichtiges Ereignis sein, aber es sichert keinen Platz im Gedächtnis.« Das Hirn, ein Sieb.
»Merken Sie sich: Nichts ist sicher. Sicher ist nichts.«
Jetzt hatte sie sogar angefangen, sich mit dem Zeigefinger an den Kopf zu tippen.
Die Klasse schaute betroffen.
Weiter im Text.
»Etwa zwei Millionen Arten gibt es auf der Welt. Und wenn sich Umweltbedingungen ändern, dann sind sie gefährdet.«
Absolutes Desinteresse.
»Kennen Sie Arten, die bereits ausgestorben sind?«
Eine Handvoll gereckter Ärmchen.
»Ich meine – außer den Dinosauriern.«
Sofort waren die Arme wieder unten. Diese Kinderzimmerpest. Sie konnten eine Amsel nicht von einem Star unterscheiden, aber die Taxonomie ausgestorbener Großreptilien aufsagen. Aus dem Kopf einen Brachiosaurier skizzieren. Frühe Begeisterung für das Morbide. Bald würden sie mit Selbstmordgedanken spielen und nachts auf Friedhöfen herumgeistern. Koketterien mit dem Jenseits. Mehr Todestrend als Todestrieb.
»Der Auerochse zum Beispiel. Das Urwildpferd, der Gänsegeier, der tasmanische Beutelwolf, der Riesenalk, der Dodo und – die Steller'sche Seekuh!«
Sie hatten ja keine Ahnung.
»Ein riesiges Tier, das im Beringmeer lebte. Mit einem tonnenschweren Körper, einem kleinen Kopf und verkümmerten Gliedmaßen. Die Haut war zentimeterdick und fühlte sich an wie die Rinde alter Eichen. Die Seekuh war ein stilles Tier. Sie gab nie einen Laut von sich. Nur wenn sie verwundet wurde, seufzte sie kurz auf. Sie war von Natur aus zahm und kam immer gern ans Ufer, so dass man sie leicht streicheln konnte. Aber eben auch töten.«
»Woher wissen Sie das so genau?« Erika, einfach so, ohne sich zu melden.
Die Frage war berechtigt.
»Von Georg Steller, einem deutschen Naturforscher. Es war einer der letzten, der sie lebendig sah.«
Erika nickte ernst. Sie hatte verstanden. Was ihre Eltern wohl machten? Früher hätte ein Blick ins Klassenbuch genügt. Intelligenzia, Angestellte, Arbeiter, Bauern. Offiziere zu den Arbeitern. Pastoren zur Intelligenzia.
Ellen meldete sich.
»Ja?«
»Was haben die mit ihr gemacht?« Klar, die witterte eine Leidensgenossin.
»Gegessen. Soll wie Rindfleisch geschmeckt haben.« Kuh blieb Kuh.
Nun aber zurück zu den Lebenden.
»Und welche Arten sind vom Aussterben bedroht?«
Fünf Arme gingen nach oben.
»Vergessen Sie Panda, Koala oder Wal.«
Wieder knickte ein Arm nach dem anderen ein. Tierschutz für Kuscheltiere. Bambi-Effekt. Maskottchen für die Plüschtierindustrie. »Eine bei uns heimische Art zum Beispiel?«
Totale Verunsicherung.
»Vom Schreiadler gibt es in Deutschland nur noch etwa hundert Paare. Einige Bauern bekommen sogar Geld dafür, dass sie ihre Felder brachliegen lassen. Denn so können die Adler ihre Beute leichter schlagen. Sie ernähren sich vor allem von Eidechsen und Singvögeln. Zwei Eier legen sie, aber nur eines der Jungen überlebt.« Richtige Betonung. Jetzt horchten sie auf. »Das Junge, das zuerst schlüpft, tötet das Nachgeborene. Ein paar Tage hackt es auf ihn ein. Bis es stirbt und dann von den Eltern verfüttert wird. Man nennt das angeborenen Kainismus.« Ein Blick in die erste Reihe. Der Pfarrerssohn rührte sich nicht. Hatte er seinen Kinderglauben schon verloren? Zum Überleben war mehr nötig als ein biblisches Paar, das auf die Arche Noah spazierte. Also noch einmal.
»Ein Geschwisterchen tötet das andere.«
Stilles Entsetzen.
»Das ist nicht grausam, das ist ganz natürlich.« Unter Umständen gehörte sogar das Töten der Jungen zur Nachwuchspflege.
Jetzt waren sie wieder wach. Mord und Totschlag.
»Warum legen sie dann überhaupt zwei Eier?« Paul. Er schien es wirklich wissen zu wollen.
»Na, zur Reserve.« Es war ganz einfach.
»Und die Eltern?« Tabea machte große Augen.
»Die schauen zu.«
Das Pausenzeichen ertönte. Das war erst der Anfang, die erste Lektion.
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Сообщение Светлана Викторовна » 26 авг 2012, 18:10

Для старшеклассников
Miriam Pressler “Bitterschokolade”

Als Eva aus dem Haus trat, schlug ihr die Hitze entgegen, flimmerte über den Asphalt der Straße und brannte in ihren Augen. Fast bedauerte sie es schon, nicht in ihrem kühlen, ruhigen Zimmer geblieben zu sein. Sie nahm den Weg durch den Park. Er war zwar ein bisschen länger, aber wenn sie unter den Bäumen ging, war die Hitze erträglicher.
Die Parkbänke waren ziemlich leer um diese Zeit. Sie kam an den Büschen vorbei, hinter denen sie ihren Heringssalat gegessen hatte. Sie betrachtete den Kies auf dem Weg. Er war gelblich braun und auch ihre nackten Zehen waren schon von einer gelblich braunen Staubschicht überzogen. Da rempelte sie mit jemand zusammen, stolperte und fiel.
»Hoppla!«, hörte sie. »Hast du dir wehgetan?«
Sie hob den Kopf. Vor ihr stand ein Junge, vielleicht in ihrem Alter, und streckte ihr die Hand entgegen. Verblüfft griff sie danach und ließ sich von ihm beim Aufstehen helfen. Dann bückte er sich und reichte ihr das Handtuch mit dem Badeanzug, das auf den Boden gefallen war. Sie rollte es wieder zusammen.
»Danke.«
Ihr Knie war aufgeschärft und brannte.
»Komm«, sagte der Junge. »Wir gehen rüber zum Brunnen. Da kannst du dir dein Knie abwaschen.«
Eva schaute auf den Boden. Sie nickte. Der Junge lachte. »Na los, komm schon.« Er nahm ihre Hand und sie humpelte neben ihm her zum Brunnenrand.
»Ich heiße Michel. Eigentlich Michael, aber alle sagen Michel zu mir. Und du?«
»Eva.« Sie schaute ihn von der Seite an. Er gefiel ihr.
»Eva.« Er dehnte das »e« ganz lang und grinste.
Sie war durcheinander und das Grinsen des Jungen machte sie böse. »Da gibt es nichts zu lachen«, fauchte sie. »Ich weiß selbst, wie komisch das ist, wenn ein Elefant wie ich auch noch Eva heißt.«
»Du spinnst ja«, sagte Michel. »Ich habe dir doch gar nichts getan. Wenn es dir nicht passt, kann ich ja wieder gehen.«
Aber er ging nicht.
Dann saß Eva auf dem Brunnenrand. Sie hatte ihre Sandalen ausgezogen und stellte ihre nackten Füße in das seichte Wasser. Michel stand im Brunnen drin, schüpfte mit der hohlen Hand Wasser und ließ es über ihr Knie rinnen. Es brannte und lief als bräunlich blutige Soße an ihrem Schienbein hinunter.
»Zu Hause solltest du dir ein Pflaster draufmachen.«
Sie nickte.
Michel stakte fröhlich im Brunnen herum. Eva musste lachen. »Eigentlich wollte ich ja ins Schwimmbad. Aber der Brunnen tut's auch.«
»Und kostet nichts«, sagte Michel.
Eva stampfte ins Wasser, dass es hoch aufspritzte. Sie bückte sich und sprengte sich Wasser in das erhitzte Gesicht. Dann sassen sie wieder auf dem Mäuerchen, das um den Brunnen herumführte.
»Wenn ich Geld hätte, würde ich dich zu einer Cola einladen«, sagte Michel. »Aber leider ...!«
Eva nestelte an ihrer Rocktasche und hielt ihm ein Fünfmarkstück hin. »Bitte, lade mich ein.« Sie wurde rot.
Michel lachte wieder. Er hatte ein schönes Lachen. »Du bist ein komisches Mädchen.« Er nahm das Geld und einen Augenblick lang berührten sich ihre Hände.
»So, jetzt bin ich reich«, rief er übermütig. »Was möchte die Dame haben? Cola oder Limo?«
Sie gingen nebeneinander her zum anderen Ende des Parks, zum Gartencafè. Es war das erste Mal, dass sie mit einem Jungen ging, außer mit ihrem Bruder natürlich. Sie schaute ihn von der Seite an.
»Eva ist doch ein schöner Name«, sagte Michel plötzlich. »Nur ein bisschen altmodisch klingt er. Aber das gefällt mir.«
Sie fanden noch zwei freie Plätze an einem Tisch unter einer großen Platane. Hier war es voll. Die Leute lachten und redeten und tranken Bier. Die Cola war eiskalt.
»Mir war es ziemlich langweilig vorhin, bevor ich dich getroffen habe.«
»Mir auch.«
»Wie alt bist du?«, fragte Michel.
»Fünfzehn. Und du?«
»Ich auch.«
»In welche Klasse gehst du?«, fragte Eva.
»In die Neunte. Für mich ist es bald aus mit der Lernerei.«
»Ich gehe auch in die Neunte. Ins Gymnasium.«
»Ach so.«
Sie schwiegen beide und nuckelten an ihrer Cola. Wenn ich nichts sage, hält er mich für doof und langweilig, dachte Eva. Aber er sagt ja auch nichts.
»Was machst du, wenn du mit der Schule fertig bist?«
»Ich? Ich werde Matrose. Natürlich nicht gleich, aber in ein paar Jahren bin ich Matrose, darauf kannst du dich verlassen. Für mich gibt's diese ewige Stellensucherei nicht. Ich habe einen Onkel in Hamburg, der sucht ein Schiff für mich, als Schiffsjunge erst mal. Mein Onkel kennt genügend Leute, der bringt mich bestimmt unter. Sobald ich mein Zeugnis in den Händen habe, geht es los.«
Eva gab es einen Stich. Er würde bald nicht mehr da sein. Blöde Gans, dachte sie und zwang sich zu einem Lächeln. »Ich muss noch ein paar Jahre in die Schule gehen.«
»Für mich wäre das nichts, immer diese Hockerei.«
»Mir macht es Spaß.«
Michel rälpste laut. Die Bedienung kam vorbei. Michel winkte ihr und bezahlte. Eine Mark bekam er heraus. Er nahm sie und steckte sie ein. Eigentlich gehört sie mir, die Mark, dachte Eva.
Michel fragte: »Tut dein Knie noch weh?«
Eva schüttelte den Kopf. »Nein, aber ich will jetzt heim.«
Sie gingen mit ruhigen, gleichmäßigen Schritten nebeneinander her. Obwohl sie sich nicht berührten, achteten sie darauf, dass ihre Schritte gleich lang waren.
»Gehen wir morgen zusammen ins Schwimmbad?«, fragte Michel.
Eva nickte. »Wann treffen wir uns?«
»Um drei am Brunnen. Ist dir das recht?«
Vor Evas Haus angekommen, gaben sie sich die Hände.
»Tschüss, Eva.«
»Auf Wiedersehen, Michel.«
Die Mutter und Berthold waren noch nicht da. Eva schaute auf die Uhr. Viertel nach Fünf. In einer halben Stunde würde ihr Vater nach Hause kommen. Eva ging ins Badezimmer und drehte den Wasserhahn an. Sie liess das kalte Wasser über ihre Hände und Arme laufen und schaute in den kleinen Spiegel über dem Waschbecken. Sie hatte rötliche Backen bekommen von der Sonne. Das sah eigentlich ganz schön aus. Ihr Gesicht war überhaupt nicht so übel, und ihre Haare waren ausgesprochen schön, dunkelblond und lockig, und am Haaransatz an der Stirn kräuselten sie sich und waren ganz hell. Sie griff mit beiden Händen nach dem Pferdeschwanz und öffnete die Spange.
Jetzt sehe ich fast aus wie eine Madonna. So werde ich die Haare tragen, wenn ich erst einmal schlank bin, dachte sie.
Entschlossen band sie sich wieder den Pferdeschwanz und befestigte ihn mit der Spange. Dann machte sie sich an ihre Hausaufgaben. Aber es fiel ihr schwer, sich zu konzentrieren.
Sie hörte, wie die Wohnungstür aufgeschlossen wurde. Ihr Vater kam nach Hause. Sie schaute sich schnell in ihrem Zimmer um und zog die Bettdecke glatt. Ihr Vater mochte das, wenn alles schön ordentlich aussah. Manchmal war er richtig pedantisch. Außerdem wusste sie nie, wie seine Laune war, wenn er nach Hause kam. Er konnte lange über einen Pullover auf dem Fussboden reden oder über eine Schultasche in der Flurecke, wenn er schlecht gelaunt war. Ihre Mutter lief meistens um fìnf noch mal durch die ganze Wohnung und schaute nach, ob nichts herumlag. »Muss ja nicht sein, dass es Krach gibt«, sagte sie. »Wenn man es vermeiden kann!«
Gerade als Eva überlegte, warum er ihr manchmal so auf die Nerven ging, warum gewisse Eigenheiten von ihm sie so störten, dass sie ihn manchmal nicht aushalten konnte, gerade in diesem Moment öffnete er ihre Zimmertür.
»Guten Abend, Eva. Das ist aber schön, dass du so fleissig bist.«
Der Vater war hinter sie getreten und tätschelte ihren Kopf. Eva hatte sich tief über ihr Englischbuch gebeugt und war froh, dass er ihr Gesicht nicht sehen konnte. Sie musste sich zusammennehmen, um nicht in diese Hand zu beissen.


Eva drückte auf den Knopf der Nachttischlampe. Nun war es fast ganz dunkel. Nur ein schwaches Licht drang durch das geöffnete Fenster. Der Vorhang bewegte sich und dankbar spürte sie den leichten Luftzug. Endlich war es ein bisschen kühler geworden. Sie zog das Leintuch über sich, das ihr in heissen Nächten als Zudecke diente, und kuschelte sich zurecht. Sie war zufrieden mit sich selbst, war richtig stolz auf sich, weil sie es geschafft hatte, das Gerede der Eltern beim Abendessen zu überhören und wirklich nur diesen einen Joghurt zu essen. Wenn sie das zwei oder drei Wochen durchhielte, würde sie sicher zehn Pfund abnehmen. Ich bin stark genug dazu, dachte sie. Bestimmt bin ich stark genug dazu. Das hab ich ja heute Abend bewiesen.
Glücklich rollte sie sich auf die Seite und schob ihr Lieblingskissen unter den Kopf. Eigentlich brauche ich überhaupt nicht mehr so viel zu essen. Heute die Schokolade war absolut unnötig. Und wenn ich dann erst einmal schlank bin, kann ich ruhig abends wieder etwas essen. Vielleicht Toast mit Butter und dazu ein paar Scheiben Lachs.
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Re: Конкурс переводчиков Немецкого читального зала в Саратов

Сообщение Светлана Викторовна » 03 сен 2012, 19:21

Wolf Biermann Das Märchen vom kleinen Herrn Moritz, der eine Glatze kriegte
Es war einmal ein kleiner älterer Herr, der hieß Herr Moritz und hatte sehr große Schuhe und einen schwarzen Mantel dazu und einen langen schwarzen Regenschirmstock, und damit ging er oft spazieren.
Als nun der lange Winter kam, der längste Winter auf der Welt in Berlin, da wurden die Menschen allmählich böse.
Die Autofahrer schimpften, weil die Straßen so glatt waren, daß die Autos ausrutschten. Die Verkehrspolizisten schimpften, weil sie immer auf der kalten Straße rumstehen mußten. Die Verkäuferinnen schimpften, weil ihre Verkaufsläden so kalt waren. Die Männer von der Müllabfuhr schimpften, weil der Schnee gar nicht alle wurde. Der Milchmann schimpfte, weil ihm die Milch in den Milchkannen zu Eis gefror. Die Kinder schimpften, weil ihnen die Ohren ganz rot gefroren waren, und die Hunde bellten vor Wut über die Kälte schon gar nicht mehr, sondern zitterten nur noch und klapperten mit den Zähnen vor Kälte, und das sah auch sehr böse aus.
An einem solchen kalten Schneetag ging Herr Moritz mit seinem blauen Hut spazieren, und er dachte: «Wie böse die Menschen alle sind, es wird höchste Zeit, daß wieder Sommer wird und Blumen wachsen.»
Und als er so durch die schimpfenden Leute in der Markthalle ging, wuchsen ganz schnell und ganz viele Krokusse, Tulpen und Maiglöckchen und Rosen und Nelken, auch Löwenzahn und Margeriten. Er merkte es aber erst gar nicht, und dabei war schon längst sein Hut vom Kopf hochgegangen, weil die Blumen immer mehr wurden und auch immer länger.
Da blieb vor ihm eine Frau stehen und sagte: «Oh, Ihnen wachsen aber schöne Blumen auf dem Kopf!»
«Mir Blumen auf dem Kopf!» sagte Herr Moritz,«so was gibt es gar nicht!»
«Doch! Schauen Sie hier in das Schaufenster, Sie können sich darin spiegeln. Darf ich eine Blume abpflücken?»
1.Und Herr Moritz sah im Schaufensterspiegelbild, daß wirklich Blumen auf seinem Kopf wuchsen, bunte und große, vielerlei Art, und er sagte: «Aber bitte, wenn Sie eine wollen...»
«Ich möchte gern eine kleine Rose», sagte die Frau und pflückte sich eine.
«Und ich eine Nelke für meinen Bruder», sagte ein kleines Mädchen, und Herr Moritz bückte sich, damit das Mädchen ihm auf den Kopf langen konnte. Er brauchte sich aber nicht so sehr tief zu bücken, denn er war etwas kleiner als andere Männer. Und viele Leute kamen und brachen sich Blumen vom Kopf des kleinen Herrn Moritz, und es tat ihm nicht weh, und die Blumen wuchsen immer gleich nach, und es kribbelte so schön am Kopf, als ob ihn jemand freundlich streichelte, und Herr Moritz war froh, daß er den Leuten mitten im kalten Winter Blumen geben konnte. Immer mehr Menschen kamen zusammen und lachten und wunderten sich und brachen sich Blumen vom Kopf des kleinen Herrn Moritz und keiner, der eine Blume erwischt hatte, sagte an diesem Tag noch ein böses Wort.
Aber da kam auf einmal auch der Polizist Max Kunkel. Max Kunkel war schon seit zehn Jahren in der Markthalle als Markthallenpolizist tätig, aber sowas hatte er noch nicht gesehn! Mann mit Blumen auf dem Kopf! Er drängelte sich durch die vielen lauten Menschen, und als er vor dem kleinen Herrn Moritz stand, schrie er: «Wo gibt's denn so was! Blumen auf dem Kopf, mein Herr! Zeigen Sie doch mal bitte sofort Ihren Personalausweis!»
Und der kleine Herr Moritz suchte und suchte und sagte verzweifelt: «Ich habe ihn doch immer bei mir gehabt, ich hab ihn doch in der Tasche gehabt!»
Und je mehr er suchte, um so mehr verschwanden die Blumen auf seinem Kopf.
«Aha», sagte der Polizist Max Kunkel, «Blumen auf dem Kopf haben Sie, aber keinen Ausweis in der Tasche!»
Und Herr Moritz suchte immer ängstlicher seinen Ausweis und war ganz rot vor Verlegenheit, und je mehr er suchte - auch im Jackenfutter -, um so mehr schrumpften die Blumen zusammen, und der Hut ging allmöglich wieder runter auf den Kopf! In seiner Verzweiflung nahm Herr Moritz seinen Hut ab, und siehe da, unter dem Hut lag in der abgegriffenen Gummihölle der Personalausweis. Aber was noch!? Die Haare waren alle weg! Kein Haar mehr auf dem Kopf hatte der kleine Herr Moritz. Er strich sich verlegen über den kahlen Kopf und setzte dann schnell den Hut drauf.
«Na, da ist ja der Ausweis», sagte der Polizist Max Kunkel freundlich, «und Blumen haben Sie ja wohl auch nicht mehr auf dem Kopf, wie?!»
«Nein...», sagte Herr Moritz und steckte schnell seinen Ausweis ein und lief, so schnell man auf der glatten Straßen laufen konnte, nach Hause. Dort stand er lange vor dem Spiegel und sagte zu sich: «Jetzt hast du eine Glatze, Herr Moritz!»
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Re: Конкурс переводчиков Немецкого читального зала в Саратов

Сообщение Светлана Викторовна » 14 сен 2014, 18:22

Конкурс переводчиков 2014 год
Anja Tuckermann
Nina
Es ist nun mal so gekommen. Keiner mag mehr mit Nina reden, denn wir fühlen uns alle schlecht.
Der Tag gestern fing schon anders an als sonst. Meine Mutter hatte mir wieder Anziehsachen hingelegt. Ich habe ihr mindestens hundertfünf-undzwanzig Mal gesagt, dass ich kein Kind mehr bin, und die anderen aus meiner Klasse hatten sich sogar als Kinder schon ihre Anziehsachen selbst aussuchen dürfen. Aber Mama kann es einfach nicht lassen, sie will immer bestimmen. Der pinkfarbene Rock lag da, ein rosa T-Shirt, weiße Strumpfhosen. »Du denkst wohl, ich bin eine Anziehpuppe«, wollte ich rufen. Aber gestern schwieg ich. Nahm den Rock, die Strumpfhose und das T-Shirt und schob alles ganz nach hinten in den Schrank. Dann zog ich meine weite Jeans an, dazu einen schwarzen Pulli.
»Ich trage, was ich will«, sagte ich beim Frühstück. »Ich bin kein Kleinkind mehr und - ach, Mama, bitte, flipp jetzt nicht aus!«
Aber sie wurde rot im Gesicht, erst um die Augen, dann an den Wangen.
»Miri, wie redest du denn mit mir?«, fragte sie. »Wo hast du überhaupt diese Hose her?«
»Die habe ich mir von meinem eigenen Geld gekauft.«
Meine Mutter fing an zu schimpfen, ihr Kaffee schwappte über. Ich nahm schnell meine Schultasche, rief Tschüss! Und lief los. In jedem Schaufenster betrachtete ich mein Spiegelbild und so kam ich gut gelaunt in der Schule an. In der ersten Stunde hatten wir Deutsch.
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Re: Конкурс переводчиков Немецкого читального зала в Саратов

Сообщение Светлана Викторовна » 14 сен 2015, 19:21

Немецкий читальный зал объявляет конкурс переводчиков и предлагает перевести художественные тексты из романа современной немецкой писательницы Анны Кушнаровой "Djihad Paradise". Книгу для прочтения можно взять в Немецком читальном зале.
Регистрация участников конкурса - до 20 сентября.
Жюри: доценты ИФиЖ СГУ имени Н.Г. Чернышевского.

Das war ja nun mal kaum zu fassen, dass Julian und ich ein Paar geworden waren. Irgendwie kamen wir von zwei völlig verschiedenen Sternen und irgendwie auch wieder nicht. Julian war alles, was ich nicht war. Und das war gut so. Eines war mal sicher: Mit ihm würde ich bis ans Ende der Welt gehen. Für ihn würde ich meinen Urozean verlassen und mich an irgendeinem Strand der Welt neu erheben als Romea-2.0. Anders. Freier. Mehr Romea als jemals zuvor. Mit ihm würde ich Dinge tun, von denen ich jetzt noch nicht einmal ahnte, dass es sie gab. Eine Bank ausrauben oder irgendwo in Australien Schafe züchten. Alles war möglich. Einfach aussteigen. Abhauen. Untertauchen.
Gerade war ich sicher, dass alles gut werden würde. Wirklich alles. Eigentlich war ja alles gut. Wir surften auf unserem Glück herum, das unendlich war wie ein Weltmeer.
Aber trotzdem. Noch waren wir hier. Eingespannt in diese Leistungsmaschine. Schräubchen und Rädchen, die einfach mitgedreht wurden. Aber das würde sich ändern, so wahr ich Romea Achenbach hiess.
Ich war so beschwingt, dass sogar meine Eltern es mitbekamen.
»Du bist in letzter Zeit so hübsch«, sagte Ma eines Abends. Ich sah sie an und schwieg. Ich war wie immer, fand ich, nur dass ich mich besser fühlte.
»Kann es vielleicht sein, dass sich unsere Tochter verliebt hat?«, fragte Pa und zwinkerte.
Ich wurde rot und hatte nicht die geringste Lust, meinen Eltern von Julian zu erzählen. Julian war mein Geheimnis, mein Notausgang aus dieser Welt der Saturiertheit.
»Na, uns kannst du es doch sagen«, hakte er nach und gab mir einen freundlichen Hieb in die Seite.
Meine Eltern tauschten Blicke.
«Na klar ist sie verliebt«, sagte Ma. »Das sieht doch ein Blinder»
Theresa fing Mas Worte auf und sprang herum und sang: «Romea ist er-lie-hiebt, Romea ist ver-lie-hiebt...»
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